Der Schwimmsport ist eine der ältesten Disziplinen des
Behindertensports. Die Ursprünge findet man in der Physiotherapie und
der Rehabilitation. Nach den beiden Weltkriegen hat der Breiten- und
Leistungssport eine enorme Eigendynamik entwickelt. Bei den Paralympics
gehören die Schwimmwettkämpfe neben der Leichtathletik zu den größten
und beliebtesten Programmpunkten.
Schwimmen gehört zu den bedeutendsten Sportarten sowohl im
Rehabilitationssport wie im Breiten- und Leistungssport. Unabhängig vom
Grad der Behinderung, ermöglichen die physikalischen Eigenschaften des
Wassers, es den Sportler sich ohne Hilfsmittel zu bewegen. Nur schwer
sehgeschädigte oder blinde Athleten haben Anspruch auf taktile Hilfen,
bei der Wende und beim Anschlag.
Aus medizinischer Sicht ist der Aufenthalt im Wasser so wertvoll, weil
durch den Auftrieb des Körpers die Gelenke und die Wirbelsäule
entlastet werden. Damit können Gelenke entlastet werden und Muskeln
unter erleichterten Bedingungen trainiert werden. Dabei kommt dem
Schwimmen noch eine andere wichtige Bedeutung zu: Es ist der Schlüssel
zu anderen Wassersportarten, die aus nahe liegenden Gründen ein
sicheres Schwimmen voraussetzen müssen.
Im Lehrschwimmbecken oder tiefen Wasser können behinderte Kinder,
Jugendliche und Erwachsene das Schwimmen erlernen oder wieder erwerben.
Wie im Nichtbehindertenbereich wird ebenso mit der Wassergewöhnung
begonnen. Hierbei lernen die Kinder tauchen, springen, atmen und
gleiten. Später werden die verschiedenen Schwimmarten (Rückenschwimmen,
Brustschwimmen, Freistilschwimmen und eventuell das Delphinschwimmen)
gelehrt. Die Kinder haben dann die Möglichkeit zu entscheiden, ob sie
leistungsorientiert weiter schwimmen möchten. Hierzu ist mehrmaliges
wöchentliches Training erforderlich.
Weiterhin haben die Kinder- und Jugendlichen die Möglichkeit an
verschiedenen Wettkämpfen teilzunehmen. Es werden Wettkämpfe auf
Vereinsbasis, Sichtungswettkämpfe, Landesmeisterschaften und Deutsche
Meisterschaften angeboten, an denen man je nach seinen
Leistungsvermögen teilnehmen kann.
Neben der Anerkennung der einzelnen Leistungen werten aber auch Werte
wie: Kampfgeist, Zielstrebigkeit, Durchsetzungsvermögen, das Messen
gegen andere, Selbsteinschätzung der individuellen Schwächen und
Stärken, Eigenständigkeit, Selbstbestätigung und freudige Erlebnisse
bei Wettkampfreisen vermittelt.
Um den verschiedenen Behinderungen gerecht zu werden erfolgt eine
Klassifizierung. Im Sportschwimmen werden 14 Startklassen
unterschieden. Es gibt 10 Startklassen für Körperbehinderte
(Mindestbehinderung: u.a. Klumpfuss, Einschränkungen der
Hüftbeweglichkeit, fehlen einer halben Handfläche,
Unterschenkelamputation), 3 Startklassen für Sehgeschädigte
(Mindestbehinderung ist eine maximale Sehkraft von 10 Prozent), 1
Startklasse für geistig Behinderte (maximaler IQ von 75%) und 1
Startklasse für Allgemein- und Lernbehinderte.